Die meisten kennen das Gefühl, wenn eine nahestehende Person oder man selbst auf dringende medizinische Hilfe angewiesen ist: Sekunden werden zu Minuten und Minuten zu Stunden. Doch wie lange darf es dauern, bis Hilfe eintrifft? Das ist in Deutschland ganz unterschiedlich, je nachdem, in welchem Bundesland man Hilfe braucht.

Wie wird der Rettungsdienst in Niedersachsen geregelt

In Niedersachsen ist das über das Niedersächsische Rettungsdienstgesetz (NRettDG) geregelt und über die Verordnung über die Bemessung des Bedarfs an Einrichtungen des Rettungsdienstes (BedarfVO-RettD), die regelt, wo und wie viele Rettungsmittel vorgehalten werden müssen.

Letzter Platz bei den Hilfsfristen

Für Niedersachsen heißt das, dass ein Rettungsmittel in 95% der Alarmierung nach 15 Minuten an der Einsatzstelle sein muss; damit liegt Niedersachsen zusammen mit Thüringen auf dem letzten Platz. Spitzenreiter sind Hamburg mit 8-10 Minuten, sowie Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit 10 Minuten. Nordrhein-Westfalen hat seine Hilfsfristen kürzlich auf 8 Minuten, im ländlichen Bereichen auf 12 Minuten reduziert.

Notärzte fordern flächendeckende Hilfsfrist von max. 10 Minuten

Der BAND e.V. (Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands e.V.) fordert eine flächendeckende Hilfsfrist von max. 10 Minuten. Diese Forderung hat der BAND e.V. bereits 1997 in allen Länderministerien eingereicht. Getan hat sich seitdem nicht viel, denn eins sollte allen klar sein: Eine Reduzierung der Hilfsfristen kostet viel Geld.

In Teilen von Bad Essen kann die Hilfsfrist nicht eingehalten werden.

In Teilen von Bad Essen kann die Hilfsfrist nicht eingehalten werden; dieses möchten wir mit Hilfe eines Beispiels erläutern:

In Bad Essen ist seit der Verlegung des RTW Wittlage zur Rettungswache Ostercappeln kein Rettungswagen mehr stationiert. Der nächste Rettungswagen ist (gerechnet von der Ortsmitte Wimmer zur jeweiligen Rettungswache) im 16,5 km entfernten Ostercappeln  stationiert, nach Melle sind es 21,2 km und ins  nordrhein-westfälische Lübbecke sind es 15,5 Km (wird nur nach Niedersachsen alarmiert, wenn kein anderes Rettungsmittel verfügbar ist).

Beispiel: Wird der Rettungswagen aus Ostercappeln zum Dorfplatz Wimmer alarmiert, so benötigt er bei einer durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit von 90 Km/h 11 Minuten, hinzu kommt eine durchschnittliche Bearbeitungszeit der Rettungsleitstelle von 2 Minuten. Somit bleibt ein Puffer von 2 Minuten, um das Fahrzeug zu besetzen und los zu fahren. Könnte also gerade so klappen, wenn es an den vier auf dem Weg liegenden Ampelkreuzungen, die zwar mit Sonder- und Wegerecht überfahren werden dürfen, zu keiner Behinderung kommt. Aber was ist mit Hördinghausen, Barkhausen, Heithöfen und Dahlinghausen? Hier ist der Weg noch etwas weiter!

Mit dem Notruf per Mobiltelefon geht wertvolle Zeit verloren.

Hinzu kommt, dass, wenn man in den östlichen Ortsteilen einen Notruf per Mobiltelefon abgibt, die Rettungsleitstelle Minden den Notruf entgegennimmt. Die Rettungsleitstelle Minden ist für Bad Essen nicht zuständig und muss den Notruf erst an die Rettungsleitstelle Osnabrück weitergeben, das kostet zusätzlich Zeit. Aber warum ist das so? In den östlichen Ortsteilen ist man im Mobilfunkmast in Preußisch Oldendorf eingeloggt und wird durch Wählen der Notrufnummern zur Rettungsleitstelle Minden durchgestellt. 

Der Sanitäter vor Ort ist eine sinnvolle Ergänzung, aber nicht die Lösung.

Manch einer wird jetzt sicher sagen, das ist alles Blödsinn, wir haben doch den Sanitäter vor Ort des DRK Bad Essen. Das ist sicher richtig, und die Sanitäter vor Ort leisten eine hervorragende Arbeit und sind eine sinnvolle Ergänzung des Rettungsdienstes – aber nicht die Lösung. Die Sanitäter vor Ort sind freiwillige ehrenamtliche Rettungskräfte die den Rettungsdienst unterstützen, dieses aber auf Grund von Privatleben und Arbeit nicht rund um die Uhr leisten können. 

Neue Rettungswache in Ostercappeln verkürzt die Anfahrtszeit

In Ostercappeln entsteht gerade an der alten Kläranlage in direkter Nähe zum Kreisverkehr Leckermühle eine neue Rettungswache. Dadurch soll die Anfahrt in Richtung Bad Essen um ca. drei Minuten verkürzt werden. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung

Wir werden dieses Thema im Auge behalten, beim Landkreis die Hilfsfristen überprüfen, darauf drängen, eine Überarbeitung der Hilfsfristen in den Landtag zu bringen und prüfen, wie man diese Sendemast-Problematik ändern kann. Denn eines ist sicher: Ein Menschenleben ist mit Geld nicht zu bezahlen.